Diese vom 19. - 21.02 2003 an der Veterinärmedizinischen Universität in Wien stattfindende Tagung wurde traditionell mit einem zünftigen Gesellschaftsabend eröffnet, der diesmal in den praxisnahen Räumlichkeiten der Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie stattfand. Im lockeren Rahmen gab uns Professor Fayer-Hosken (Athen, USA) mit seinem interessanten Vortrag Einblicke in ein Kontrazeptions-Projekt (ZP-Immunisierung) an Elefanten, das seit mehreren Jahren im Krüger Nationalpark von ihm betreut wird.
Das lokale Organisations-Komitee unter Prof. J. Aurich, Prof. A. Holzmann und Prof. C. Aurich hatte an den beiden darauf folgenden Tagen neun thematisch unterschiedliche Sitzungen zusammengestellt, die gleichermaßen klinische und grundlagenorientierte Kurz-Vorträge beinhalteten. Jeder der beiden Tage wurde durch einen Hauptvortrag eingeleitet: Zu Anfang ein Übersichtsreferat zur Follikelentwicklung beim Rind (Mihm, Schottland) und danach aktuelle Ergebnisse zur Immun-Kontrazeption bei Hund und Katze (Fayer-Hosken, USA).
Die anschließenden Kurzvorträge (44) und Poster-Präsentationen (35) aus meist deutschen Reproduktions-Forschungsstätten hatten unterschiedliche Qualitäten und einen deutlich tiermedizinisch ausgeprägten Schwerpunkt (10 Manuskripten war die Drucklegung in der „Wiener Tierärztlichen Monatsschrift 90 Suppl. 1 2003“ durch die lokale Programmkommission verweigert worden). So wurde eine interessante, aber auch heterogene Mischung aus Grundlagen- sowie praxisbezogener Fortpflanzungsforschung präsentiert. Auffällig war die sehr konstruktive und kritische Diskussionsbereitschaft der ca. 100 Teilnehmer nach den Vorträgen – die überschauliche Besucherzahl war in dieser Hinsicht wohl förderlich und spricht eher für Veranstaltungen mit Workshop-Charakter.
Aus der Historie dieser traditionellen Tagung lässt sich ablesen, dass diese Zusammenkunft aus einem Kleintreffen interessierter Reproduktionsspezialisten der veterinärmedizinischen Fakultäten Deutschlands entstand. Später entwickelte sich daraus ein inter-disziplinäres Symposion (28. Gemeinschaftstagung!) im deutschsprachigen Raum mit internationalen Stamm-Gästen.
Geschätzt wurde bzw. wird diese Tagung wegen der Möglichkeit einer Fakultäten-übergreifenden Diskussion; so zählten zu den Teilnehmern neben Veterinär- und Humanmedizinern auch immer Agronomen, Biologen und andere auf diesem Gebiet tätige Naturwissenschaftler.
Leider konnte man in den letzten Jahren einen spürbaren Teilnehmer-Schwund verzeichnen, der nicht zuletzt auch auf Kosten der gewünschten Interdisziplinarität geht. Vielleicht hing das aber auch mit dem im Vorlauf nicht optimalen Informationsfluss zusammen. So könnte durch das stärkere Engagement und eine direktere Mitarbeit der ausrichtenden vier Gesellschaften (Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG) Fachgruppe Fortpflanzung und ihre Störungen; Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde (DGfZ) Sektion Fortpflanzung; Deutsche Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (DGRM); Österreichische Gesellschaft für Sterilität, Fertilität und Endokrinologie) auch zukünftig der interdisziplinäre Leitgedanke wieder gestärkt werden.
Ziel der nächsten Tagungen muss es sein, das Interesse der entsprechend auf Fortpflanzung spezialisierten Zielgruppen aller Fakultäten zu erhöhen, um diese wichtige Basis des Erfahrungsaustausches und erster eigener Präsentationen für den wissenschaftlichen Nachwuchs erhalten zu können. Die Attraktivität dieser Veranstaltung kann nicht nur über einen günstigen Preis, sondern muss zudem durch Kriterien wie die hohe Qualität der Beiträge (Zitierfähigkeit der Abstracts) und die zu erwartenden, interessanten interdisziplinären Kollegengespräche längerfristig garantiert werden.
Die nächste, dann 37. Jahrestagung für Physiologie und Pathologie der Fortpflanzung und gleichzeitig 29. Veterinär-Humanmedizinische Gemeinschaftstagung wird vom 19. bis 20.02.2004 in München stattfinden. Als lokaler Organisator wird Professor Stolla von der Gynäkologischen und Ambulatorischen Tierklinik der Veterinärmedizinischen Fakultät der LMU München verantwortlich zeichnen.
Es ist dieser Tagung zu wünschen, dass ein so breit angelegtes fortpflanzungs-medizinisches Forum im deutschsprachigen Raum durch z.B. aktive Beteiligung der ausrichtenden Gesellschaften wieder mehr Attraktivität gewinnen wird. Die Prämisse dieser Tagung, eine Interaktion zwischen Praktikern und Grundlagenforschern sowie zwischen human- und veterinärmedizinischen Kollegen anzuregen, ist sehr zu honorieren. Die diesbezügliche internationale Konkurrenz wird jedenfalls nicht kleiner !
Institut für Physiologie, TU München - Weihenstephan, Weihenstephaner Berg 3, 85354 Freising